Nachruf auf Prof. Dr. Klaus Roth (1953 - 2026)
Das Otto-Suhr-Institut trauert um Professor Dr. Klaus Roth. Er war unserem Institut über viele Jahre verbunden. Von 1983 bis 1994 forschte und lehrte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wissenschaftlicher Assistent am damaligen Fachbereich Politische Wissenschaft. Ab 2006 bot er, zunächst als Stellenvertreter, die Vorlesung Politische Theorie und Ideengeschichte an, um schließlich bis 2018 als entfristeter Gastprofessor den Arbeitsbereich Politische Theorie und Ideengeschichte zu leiten.
Schier unerschöpflich und von enzyklopädischer Weite war sein Wissen. Souverän zeichnete er nicht nur die Hauptlinien des politischen Denkens von der griechischen Frühzeit bis in die Gegenwart nach. Auch den unterdrückten Alternativen galt seine Aufmerksamkeit. Er nahm damit einen theoretischen Platz zwischen Hegel, Nietzsche und Marx ein. Mit Hegel, über dessen politische Frühschriften er promoviert worden war, teilte er die Überzeugung, dass die Philosophie nachvollziehend verfährt und dabei die Vernunftstrukturen im Wirklichen selbst zur Sprache bringt. Von Nietzsche übernahm er den Verdacht, dass das Verwirklichte dennoch oft das Schlechtere ist. Mit Marx hielt er daran fest, dass zum Wirklichen auch ein emanzipatorischer Überschuss zählt. Diese Überzeugungen bildeten das spannungsreiche Gerüst für seine große Studie Genealogie des Staates. Er rekonstruierte darin den Werdegang der Staatsidee, indem er diese auch mit alternativen Ordnungsvorstellungen wie Polis, geistliche Gemeinschaft und Reich konfrontierte.
In seiner Lehre mag diese Wissensfülle manche Studierenden überfordert haben, zumal er sie ganz schmucklos, nur gestützt auf das Medium seiner unaufgeregten Stimme, vortrug. Wahr ist auch, dass ihm die Betriebsförmigkeit, die nolens volens zur heutigen Wissenschaft gehört, immer fremd blieb. Wer sich aber auf ihn und seine Themen einließ, wurde mit Einblicken und Einsichten belohnt, die weit über den Mainstream der Politikwissenschaft hinausreichen und doch deren Fundamente bilden. Dass er so lange am Otto-Suhr-Institut lehren durfte, verdankte er nicht zuletzt dem Engagement von dankbaren Studierenden. Für sie war er der unzeitgemäße Hüter eines Wissensschatzes, ohne den unser Fach, so zeitgemäß es sich vorkommen mag, verarmen müsste. Das Otto-Suhr-Institut wird ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.
Für die Kolleginnen und Kollegen des Instituts
Bernd Ladwig

