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Prof. Dr. Thomas Risse von der FU Berlin spricht in São Paulo über ″Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit″

News vom 24.10.2017

Prof. Dr. Thomas Risse, der im Rahmen der 9. Jornadas Europeias an verschiedenen Veranstaltungen mitwirkte, hielt am 28. September zum Abschluss einen Vortrag zum Thema „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ in der politikwissenschaftlichen Fakultät der Universität São Paulo (USP). Organisiert wird die Veranstaltungsreihe durch den Martius-Lehrstuhl für Deutschland- und Europastudien der USP, welchen Frau Prof. Dr. Brigitte Weiffen innehat und der vom DAAD finanziert wird. Die diesjährige Ausgabe der Jorandas Europeias wurde außerdem vom German Institute of Global and Area Studies (GIGA) unterstützt.

Thomas Risse ist Professor am Otto-Suhr Institut für Politikwissenschaft der FU Berlin. Zusammen mit Prof. Dr. Tanja A. Börzel, die ebenfalls am Otto-Suhr-Institut (OSI) lehrt, veröffentlichte er 2016 das Oxford Handbook of Comparative Regionalism. Beide leiten gemeinsam die Kolleg-Forschergruppe „The Transformative Power of Europe“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Risse ist Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs 700, „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“, welcher seit 2006 existiert. Neben der Freien Universität Berlin sind die Universität Potsdam, die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und das GIGA an diesem Forschungsprojekt beteiligt.

Risse betonte zu Beginn seines Vortrags, dass begrenzte Staatlichkeit als die mangelnde Fähigkeit staatlicher Regierungen zu verstehen sei, die eigenen Gesetze zu implementieren und durchzusetzen und/oder das staatliche Gewaltmonopol aufrechtzuerhalten. Begrenzte Staatlichkeit sei weit verbreitet, allerdings zumeist auf bestimmte Gebiete eines Landes bezogen, so dass nicht der gesamte Staat betroffen sei. Als Beispiel hierfür nannte er Somalia. Er präsentierte Forschungsergebnisse aus zahlreichen Weltregionen, was seinen Vortrag lebendig und vielfältig machte. Dass im Prinzip jeder Staat Räume begrenzter Staatlichkeit aufweist, zeige auch das Beispiel des Görlitzer Parks in Berlin. Auch wurde der Bezug Brasiliens zum Thema deutlich, da die „Favelas“ aufgrund ihrer Strukturen zum Teil ebenfalls als Räume begrenzter Staatlichkeit betrachtet werden könnten.

Ein Mangel an staatlichen Institutionen führe jedoch nicht automatisch zu einem Scheitern des Staates, da es andere Akteure gäbe, die an die Stelle dieser Institutionen treten würden, beispielsweise NGOs, private Unternehmen, lokale Behörden oder religiöse Einrichtungen. Diese würden durch das von der Gesellschaft entgegengebrachte Vertrauen unterstützt und in ihrer Art des Selbstregierens gefördert werden.

Außerdem sei die Annahme, dass man westliche Institutionen beliebig in andere Kulturen übertragen könne, falsch. Stattdessen sei es notwendig, gemeinsam mit lokalen Akteuren nach Lösungen zu suchen und diese nach den vorhandenen Bedingungen auszurichten.

Abschließend fasste Risse zusammen, dass die begrenzte Staatlichkeit an sich nicht das Problem sei, sondern vielmehr das Fehlen einer Regierungsführung. Dazu seien gerechte und transparente Institutionen notwendig. Der Vortrag wurde mit einer Diskussionsrunde beendet, durch welche interessierte Studierende die Möglichkeit erhielten, Fragen zu stellen und abschließend persönlich mit Risse zu sprechen.

Weitere Informationen zum Otto-Suhr-Institut der FU Berlin finden Sie hier und zu den Forschungsschwerpunkten von Prof. Dr. Thomas Risse hier.

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