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Die profitable Persönlichkeit

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2006/2007

Giesbert Mönch-Tegeder, Boris Friele

 

Neoliberale LohnarbeiterInnen – Analyse betrieblicher Herrschaft als Thema politischer Bildung. Ein Planspiel.

 

Fr 20.10.06; 3.11.06; 17.11.06; 1.12.06 jeweils 10-12 Uhr

Blockveranstaltung: 18./19.11.06 und 12.06                  

 

Kommentar:

 

Das Seminar verfolgt die neoliberale Krisenbewältigung – die radikale Vermarktlichung  aller sozialen Beziehungen – in die Strukturen der betrieblichen Herrschaft. Gegenstand des theoretischen Teils des Seminars ist zunächst die Analyse des Wandels betrieblicher  Strukturen und Herrschaftsformen von der fordistisch-tayloristischen zur 'postfordistischen' Form. In diesem Zusammenhang werden spezifische Denkformen des Neoliberalismus in ihrer Relevanz für die Regulation von Lohnarbeit identifiziert: Arbeitskraftunternehmer,  Intrapreneure, der "kontinuierliche Verbesserungsprozess", die Universalisierung der Benchmarking-Praxis, die Subsumtion aller Aktivitäten dem Kosten-Nutzen-Kalkül, die Durchrationalisierung von kollegialen Beziehungen usw. Neoliberale Umstrukturierung bedeutet hier also, die Koordination der Arbeitsprozesse auch innerhalb des Unternehmens konkurrenzförmig aufzubauen.

 

Im 'praktischen' Teil des Seminars nehmen die TeilnehmerInnen an einem von uns konzipierten Planspiel teil, mit dem die beschriebene Thematik für die politische Bildungsarbeit umgesetzt wird. Die StudentInnen werden zu Teams zusammengefasst, die einen Projektantrag ausarbeiten, diesen budgetieren und in einem "Pitch" präsentieren. Dabei kommt es darauf an, die aus der konkurrenzförmigen Gestaltung betrieblicher Koordination sich ergebenden sozialen Dynamiken erfahrbar und analysierbar zu machen: Welche psychischen Effekte zeitigt ein 'postfordistisches' Arbeitsregime? Welche Auswirkung auf die Arbeit lassen sich beobachten? Inwieweit wird Kooperation forciert oder untergraben? Welche Formen kollegialer Solidarität sind hier unterminiert bzw. alternativ möglich? Welche Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit den neuen Strukturen wurden bisher von Gewerkschaften/Betriebsräten gemacht?

 

An die Selbsterfahrung der Methode knüpfen Analysen des Konzepts "Planspiel", Erfahrungsaustausch über dessen Einsatz in der politischen Bildung, Zielstellungen hinsichtlich Handlungsorientierungen der TeilnehmerInnen, Verbesserungs- und Ausgestaltungsmöglichkeiten an. Die Analyse von Thema, Methode und eigenen Erfahrungen wird in den Zusammenhang um die Debatte von Funktion und Ausrichtung der gewerkschaftlichen Bildungarbeit (politisch-emanzipatorischer Anspruch vs. Qualifizierung für die betriebliche Auseinandersetzung) gestellt.

 

Der praktisch ausgerichtete Teil des Seminars wird als Blockseminar durchgeführt.