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Seminarkonzept für das WS 07/08 im Bereich „Politische Erwachsenenbildung“

 

 

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2007/2008

 

Patricia Göthe/ Christian Geißler-Jagodzinski

 

Konzeptionen/ Programmatiken nicht-rassistischer Bildung – Zugänge zur pädagogischen Auseinandersetzung mit rassistisch motivierter Diskriminierung

 

Di 18-20 Uhr

 

Kommentar:

 

Die Existenz rassistisch motivierter Diskriminierung in der deutschen Gesellschaft kann in unterschiedlichsten Ausprägungen als belegt angenommen werden. Untersuchungen wie die Langzeitstudie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ der Universität Bielefeldt zeigen die weite Verbreitung diskriminierender Einstellungen ebenso auf wie Polizei- und Verfassungsschutzstatistiken zu rassistisch motivierten Gewaltverbrechen. Nicht zuletzt anerkennt die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) die Existenz interaktioneller und struktureller Diskriminierung.

Rassistisch motivierte Diskriminierung verstehen wir als eine Form der (Re-)Produktion sozialer Ungleichheiten, die mit ethnisierenden / rassialisierenden bis hin zu sexualisierenden Konstruktionen imaginärer Gruppen begründet wird.

Der Pädagogik wird, auch wenn diese hohe Wirkungserwartung weder bildungstheoretisch fundiert noch sozialwissenschaftlich nachgewiesen werden kann (vgl. z.B. die Untersuchungen des Civitas-Programms 2003+2004), eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung mit rassistisch motivierter Diskriminierung (synonym werden auch Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Rechtsextremismus usw. gebraucht) zugesprochen. Dementsprechend existieren heute zahlreiche Konzeptionen und Programmatiken, um gegen diesen gesellschaftlichen Tatbestand vorzugehen. Diese finden sich unter so vielfältigen Labeln wie „Diversity-Trainings“, „Menschenrechtsbildung“, „Demokratieerziehung“, „interkulturelle Pädagogik“ oder „antirassistische Bildung/ Pädagogik“, um nur einige zu nennen. Sie unterscheiden sich zwar oft in ihren Zielsetzungen und/ oder ihrem methodischen Vorgehen, jedoch existieren auch Überschneidungen. Eine systematische Erfassung und ein „in Bezug setzen“ dieser Ansätze fehlt bis heute. Dies resultiert nicht zuletzt daraus, dass viele der existierenden Konzeptionen/ Programmatiken ihre theoretische Fundierung nicht explizieren (können) oder kein konsistenter Zusammenhang zwischen theoretischer Fundierung und methodischer Umsetzung vorliegt.

Die beschriebene Problematik bildet den Fokus des Seminars. In den ersten Sitzungen soll eine theoretische Annäherung an den Begriff „Diskriminierung“ erfolgen sowie eine Bestandsaufnahme interaktioneller und struktureller Diskriminierung in der Bundesrepublik erarbeitet werden. In einem zweiten Schritt werden grundlegende Überlegungen für pädagogische Konzeptionalisierungen zur Überwindung von Diskriminierungen diskutiert. In diesen Sitzungen werden nicht nur rassistisch motivierte Diskriminierung sondern auch andere, damit verschränkte Ungleichheitsstrukturen wie z.B. Sexismus oder Heteronormativität thematisiert.

Den größten Teil des Seminars wird die Auseinandersetzung mit fünf verschiedenen ausgewählten Konzeptionen/ Programmatiken der außerschulischen nicht-rassistischen politischen Bildung einnehmen. Diese sollen in jeweils zwei Sitzungen vorgestellt (theoretische Grundanahmen, Durchführung exemplarischer Übungen) und mit PraktikerInnen aus der außerschulischen Bildung, die mit diesen Programmen arbeiten bzw. diese entwickelt haben, diskutiert werden. Schwerpunkt der Auseinandersetzung soll die Frage der Passung zwischen theoretischer Fundierung und methodischem Vorgehen sein. Dabei steht nicht nur die Beziehung der theoretischen Fassung von diskriminierenden (rassistischen) gesellschaftlichen Verhältnissen und der auf ihre Abschaffung ausgerichteten pädagogischen Programmatiken zur Diskussion, sondern es wird auch danach gefragt werden, wie die Verschränkung von Ungleichheitsstrukturen (Herkunft, Geschlecht, sozioökonomischer Status etc.) in der pädagogischen Arbeit thematisiert wird.

 Den Abschluss des Seminars bildet eine von den teilnehmenden Studierenden organisierte und durchgeführte öffentliche Debatte mit politischen BildernerInnen, in der die im Seminar angerissenen Themen und Fragstellungen zur Diskussion gestellt werden.

 

Literatur:

 

  • Gomolla, Mechthild/ Radtke, Frank-Olaf: Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung ethnischer Differenz in der Schule. Opladen: Leske + Budrich 2002

·        Elverich, Gabi/ Kalpaka, Annita/ Reindlmeier, Karin (Hg.): Spurensicherung. Reflexion von Bildungsarbeit in der Einwanderungsgesellschaft. FfM: Iko-Verlag für Interkulturelle Kommunikation 2006

  • Hormel, Ulrike / Scherr, Albert (2005): Bildung für die Einwanderungsgesellschaft. Bonn: BpB

·        Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V. (IDA): Pädagogische Ansätze für interkulturelle Geschlechtergerechtigkeit. IDA 2004

  • Motakef, Mona (2006): Das Menschenrecht auf Bildung und der Schutz vor Diskriminierung. Eine Studie über Exklusionsrisiken und Inklusionschancen im deutschen Bildungssystem. Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte

·        zur Nieden, Birgit /Veith, Silke (Hg.): Feministisch. Geschlechterreflektierend. Queer. Perspektiven aus der Praxis politischer Bildungsarbeit. RLS 2004

 

 

 

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