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Studie zur Entstehung kulturellen Wissens im Umgang mit flussbezogenen Gefahren erschienen

Zur diskursiven Konstruktion von Vulnerabilität und Resilienz 

News vom 08.09.2021

Warum wird Klimawandel in osteuropäischen Ländern vielfach als geringeres Problem gesehen als im Westen Europas? Warum bevorzugt man in Polen regelmäßig technischen Hochwasserschutz, während Planer in Deutschland vor allem „Raum für das Wasser“ schaffen möchten? Im „kommunikativen Konstruktivismus“ wird davon ausgegangen, dass kulturell geteilte Wissensbestände wie diese in Kommunikationsprozessen, genauer in Diskursen, entstehen. Doch bislang wurde dieses Phänomen für Umgangsweisen mit Naturgefahren wie Hochwassern kaum untersucht.  

In einem in Space and Culture erschienenen Artikel beleuchten Thorsten Heimann et al. das Verhältnis von akteursspezifischem Wissen und kollektiv dargebotenen Wissensbeständen aus verschiedenen (Medien-)Diskursen (discursive construction). Zugleich prüfen sie, inwiefern flussbezogenes Wissen soziogeographisch und historisch verankert ist. Dazu haben sie drei verschiedene Formen kulturellen Wissens miteinander verglichen: (1) Das von Anwohner:innen in Hochwassergebieten entlang der Oder geteilte flussbezogene Wissen der Gegenwart, (2) relevante Themen, die in lokalen Zeitungen im Zeitraum seit der großen Oderflut 1997 bis zur Gegenwart im Zusammenhang mit Hochwassergefahren diskutiert wurden, und (3) die Art und Weise, wie Naturverhältnisse und flussbezogene Gefahren in literarischen Werken in polnischer und deutscher Sprache seit der Renaissance verhandelt wurden. 

Die Analyse zeigt, dass beobachtete Unterschiede im Umgang mit flussbezogenen Gefahren der Gegenwart bis weit in die historische Entwicklung der deutschen und polnischen Sprache hineinreichen. Die Autoren können zudem aufzeigen, dass das Akteurswissen um Verwundbarkeit und Resilienz in den untersuchten Gebieten in soziogeographisch situierte diskursive Prozesse kollektiver Wissensordnungen eingebettet ist. Kulturelle Unterschiede treten dabei aber nicht essentialistisch als von vornherein gegeben in Erscheinung, sondern sie entwickeln und reproduzieren sich in Kommunikationsprozessen bzw. durch Teilhabe an Diskursen. 

Den Artikel können Sie hier lesen.

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