Bioprospektion in der Afrikanischen Renaissance: Von „Muthi“ zu Intellektuellen Eigentumsrechten

Arbeitsstelle_Bioprospektion-Suedafrika_big
Arbeitsstelle_Bioprospektion-Suedafrika_big

Britta Rutert

Die wachsende Nachfrage nach pflanzlicher Medizin in Europa und Nordamerika sowie Epidemien wie Malaria und HIV/AIDS haben einen wachsenden Markt für „traditionelle“ Medizin geschaffen. Südafrika ist ein Land mit einem reichen Schatz an medizinischen Pflanzen. Neben wissenschaftlicher Forschung zu neuen medizinischen Produkten ist insbesondere die Revitalisierung lokalen Wissens ein wesentlicher Aspekt von Bioprospektionsprojekten in Südafrika.

Bioprospektion bezeichnet dabei u. a. die wissenschaftliche und wirtschaftliche Nutzbarmachung pflanzlicher Ressourcen. Ziel dieses Forschungsprojektes ist, anhand spezifischer medizinischer Pflanzen den Diskurs zu intellektuellen Eigentumsrechten und fairem Gewinnausgleich in Südafrika zu analysieren. Dieser Diskurs ist eingebettet in die vom früheren Präsidenten Thabo Mbeki proklamierte „afrikanische Renaissance“, dem Bestreben „afrikanische Werte“ in einem Prozess der Selbstentdeckung, Demokratisierung und wirtschaftlicher Entwicklung neu aufleben zu lassen. Die Transformation von Muthi (Mischung aus Pflanzen, die von traditionellen Heilern angewandt wird) hin zu chemisch analysierten Verbindungen und schlussendlich zu vermarktbaren medizinischen Produkten ist dabei ein Prozess, in dem verschiedenste Wissens- und Wertevorstellungen aufeinander stoßen.

Durch die kulturelle Vielfalt in Südafrika gestaltet sich das Aushandeln von intellektuellen Eigentumsrechten und Gewinnausgleichen verhältnismäßig schwierig. Umso aufschlussreicher ist es, die sich kontinuierlich neu formierenden wissenschaftlichen und politischen Akteure und Netzwerke rund um medizinische Pflanzen zu untersuchen. Ziel der 13-monatigen Feldforschung in Kapstadt war die Analyse dieses komplexen Prozesses von „Muthi“ zu einem vermarktbaren Produkt unter Berücksichtigung der aktuellen politischen und ökonomischen Bedingungen.

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektleitung: Prof. Dr. Hansjörg Dilger

 

Publikationen des DFG-Projekts "Bioprospektion in der 'Afrikanischen Renaissance': Von Muthi zum Recht über intellektuelles Eigentum":

  • Chocciaro, Gino & Lorenzen, Johan &  Bernhard Maister & Britta Rutert (2014). Considerations of a Legal "Trust" Model for the Kukula Healers' TK Commons in South Africa. In: De Beer, J. & Armstrong, C. & Oguananam, C. & Schonwetter, T. (Hg.): Innovation & Intellectual Property. Collaborative Dynamics in Africa. Cape Town: University of Cape Town Press.
  • Cocchiaro, Gino & Rutert, Britta (2013): "Traditional Knowledge Commons Pools: The Story of the Kukula Traditional Health Practitioners of Bushbuckridge, South Africa." In: Kamau, E.C. and Winter, G. (Hg.): Common Pools of Genetic Resources. Equality and Innovation in International Biodiversity Law. New York: Routledge, 29-40.
  • Rutert, Britta (2012): Bioprospektion als "Markt der Möglichkeiten"? Von Hoffnung, Handlung und Realität im Post-Apartheid Südafrika. Curare Sonderheft 35/3: 229-239.
  • Rutert, Britta, Hansjörg Dilger, Gilbert M. Matsabisa (2011): Bioprospecting in South Africa: Opportunities and Challenges in the Global Knowledge Economy? – a Field in the Becoming. In: CAS Working Papers No. 1-11, Center for Area Studies der Freien Universität Berlin. Read Working Paper

 

Presseberichte über das DFG-Projekt