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Übersicht unserer laufenden und abgeschlossenen Forschungsvorhaben

Der Arbeitsbereich Deutschland und Frankreich im Vergleich versteht sich als Teil der Vergleichenden Politikwissenschaft mit einem Fokus auf politics und policy in Deutschland und Frankreich und ihrer Rolle in der EU. Dabei fungieren reale Probleme, die aus dem Zusammenwirken von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Mehrebenensystemen entstehen, als Ausgangspunkt einer theoriegeleiteten vergleichenden Analyse. Analytisch-konzeptionell verwenden wir akteur- und institutionenzentrierte Ansätze, die als allgemeiner Theorierahmen anschlussfähig für verschiedene Forschungsdesigns und Formen des Vergleichs sind: die Kombination von quantitativen und qualitativen Analysen, den Vergleich von Politiken zwischen Ländern, Politikfeldern und über Zeit sowie mixed methods designs die Fallstudien mit einem Vergleich über eine mittlere Fallzahl (N = 30-90) verbinden.

Die aktuelle Forschung im Arbeitsbereich lässt sich in drei thematische Schwerpunkte zusammenfassen:

 

        I. Vergleichende Staatstätigkeit

Dieser Schwerpunkt erforscht in vergleichender Perspektive die Beziehung von Markt und Staat.

  • Welche Auswirkungen haben EU-Einflüsse, demographischer Wandel und Privatisierung auf staatliche Wirtschafts-, Beschäftigungs-, Familien- und Sozialpolitik?
  • Wie wandelt sich dadurch das Zusammenspiel von Politiksektoren und (indirekt) die Rolle des Staats?
  • Wie lassen sich politische Maßnahmen messen und länderübergreifend vergleichen?

 

Laufende Projekte und aktuelle Publikationen

Mit Arbeiten zu diesen Fragen beteiligt sich Frau Prof. Dr. Hartlapp an einem Projektverbund „Europäische Wirtschafts- und Sozialintegration“ (Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln, Universität Bremen, Universität Tübingen, Freie Universität Berlin) der jährlich tagt und verstärkt aktuelle Krisenphänomene und Verteilungsfolgen der europäischen Integration analysiert.

- Hartlapp, M. (2017). Aktuelle Herausforderungen und Handlungsoptionen für Arbeits- und Sozialpolitik im EU Mehrebenensystem. Expertise für die Kommission „Arbeit der Zukunft“. Berlin: Hans-Böckler-Stiftung. Zum vollständigen Bericht

- Graziano, P.R. & Hartlapp, M. (2015). La fin de l’Europe sociale ? Évaluation du rôle des changements politiques et organisationnels au sein du système politique de l’Union européenne. Revue française des affaires sociales (3): 89–114.  Zum Artikel

 

      II. Verwaltungen und Rechtssysteme

Verwaltungen und Rechtssysteme zeigen besondere Relevanz für die Umsetzung von Politik. Sie sind Gegenstand politikwissenschaftlicher Analysen im zweiten Schwerpunkt.

  • Was erklärt Implementationserfolg europäischer und nationaler Politiken in Deutschland und Frankreich?
  • Wann und warum werden EU-Institutionen für die Durchführung von Politik vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt?
  • Wie entwickelt sich Kooperation zwischen Verwaltungen und Gerichten in europäischen Ländern?
  • Welchen Einfluss haben politische Institutionen auf die politische Repräsentation von Frauen wie wirkt diese Repräsentation auf policies?

 

Laufende Projekte und aktuelle Publikationen

Das European Network on Soft Law Research geht der Frage nach, wie weiche EU-Vorgaben ohne bindende rechtliche Wirkung, wie Empfehlungen, Guidelines oder Entschließungen, in nationalen Rechtssystemen verarbeitet werden. Wie nutzen nationale Gerichte EU soft law in der Umwelt-, Sozial-, Wettbewerbs- und Finanzmarktpolitik? Welche Effekte hat EU soft law und welche Bedeutung hat es für die Legitimität von Regieren im Mehrebenensystem? Das Netzwerk wird von der Universität Maastricht koordiniert und besteht aus Wissenschaftlern von Universitäten in Helsinki (FIN), Maastricht (NL), London (UK), Aix en Provence (F), Kranj (SI) und der Freien Universität Berlin die vergleichende Forschungs- und Lehraktivitäten durchführen. An der FU wird 2018 ein Workshop zu “Soft law in social policy” stattfinden. Die Ausführliche Projektbeschreibung finden Sie auf: https://www.solar-network.eu/home/.

Seit Sommer 2019 läuft das Projekt „Effects of EU soft law across the multilevel system". EfSoLaw wird in Kooperation mit Sabine Saurugger und Fabien Terpan von der Universität Grenoble durchgeführt und über drei Jahre von ANR und DFG finanziert. Das Projekt zielt auf ein verbessertes Verständnis der Performanz des EU-Mehrebenensystem durch eine Analyse von EU soft law Effekten. Welchen Anteil macht soft gegenüber hard law in konkreten Politikfeldern aus? Wann und warum wird EU soft law in Nationalstaaten umgesetzt? Und, wann und warum erfolgt nach der nationalen Implementation eine Rückwirkung auf die supranationale Ebene? EfSoLaw analysiert für einen Zeitraum von 15 Jahren soft law Charakteristika und Aufkommen in sieben ausgewählten Politikfeldern, die sich systematisch hinsichtlich Konfliktstruktur und Entscheidungsfindung unterscheiden. Methodisch werden Fallstudien auf der basis von Experteninterviews mit einer eigenen Umfrage in zentralen Verwaltungen und Gerichten verbunden. Mehr Informationen sind auf der Projekt-Homepage zu finden: efsolaw.eu

Gemeinsam mit Christian Adam (LM Universität München), Michael W. Bauer (Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer) und Emmanuelle Mathieu (Barcelona Institute for International Studies) analysieren wir Nichtigkeitsklagen vor dem Europäischen Gerichtshof. Auf der Basis einer Vollerhebung alle Nichtigkeitsklagen seit den Gründungsverträgen und Fallstudien befassen wir uns mit einer Reihe politikwissenschaftlich erklärungsbedürftiger Phänomene: eine deutliche Dominanz der Klagen in der Landwirtschafts- und Wettbewerbspolitik, eine ungleiche Verteilung der Klageerhebung und des Klageerfolgs über Mitgliedstaaten. Wir gehen der Frage nach, was die Klageerhebung motiviert und welchen Einfluss multiple Akteurskonstellationen haben.


- Hartlapp, M. & Heidbreder, E. (2017). Mending the hole in multilevel implementation: Administrative cooperation related to worker mobility. Governance. Zum Artikel  

- Hartlapp, M. (2014). Enforcing Social Europe through Labour Inspectorates: Changes in Capacity and Cooperation across Europe. West European Politics. Special Issue 'Implementing Social Europe in Times of Crises' 37(4): 805–824. Zum Artikel

- Adam, C., Hartlapp, M. & Mathieu, E. (Eds.). (2018). From High Judges to Policy Stakeholders: Special Issue Journal of European Integration. Zum Artikel.

- Hartlapp, M. (2018). Power Shifts via the Judicial Arena: How Annulment Cases between EU Institutions Shape Competence Allocation. Journal of Common Market Studies. Advance online publication. Zum Artikel.


    III. Konflikt und Politisierung in Europa

In diesem Schwerpunkt geht darum, Konflikt, Polarisierung und Politisierung in ihren Effekten auf politische Systeme besser einordnen zu können und in ihren Implikationen für demokratisches Regieren zu verstehen.

  • Wie wirken zunehmende Politisierung und Konflikt im EU Mehrebenensystem?
  • Welche Implikationen ergeben sich daraus für klassische Konzepte wie Gewaltenteilung?
  • Vor welchen Herausforderungen stehen die Demokratien Deutschland und Frankreich angesichts aktueller Entwicklungen? 

Laufende Projekte und aktuelle Publikationen

Laufende Arbeiten analysieren die Politisierung und Konfliktlinien innerhalb und zwischen den EU Institutionen und ihre Effekte auf policy-output. Aktuelle Entwicklungen lenken den Blick in Zukunft stärker auf Responsivität und Populismus als Herausforderungen demokratischer Systeme

- Hartlapp, M. (2018). Integrating across policy sectors in the EU: How the wider public impacts on the drafting process of trans-border healthcare. International Review of Administrative Sciences 85(2).     

- Hartlapp, M. & Lorenz, Y. (2015). Die Europäische Kommission – ein (partei)politischer Akteur? Leviathan (1): 64–87. Nomos eLibrary. Zur Ausgabe

- Hartlapp, M. & Wiesner, C. (eds) (2016). Gewaltenteilung und Demokratie im Mehrebenensystem der EU: neu, anders - oder weniger legitim? Sonderheft der Zeitschrift für Politikwissenschaft. Wiesbaden: Springer VS. Hier erhältlich

PEU Datenbank

Die PEU Datenbank erfasst wie Parteizugehörigkeit, Beruf und Herkunft die EU-Kommissare prägen.

Die Zusammensetzung der EU-Kommission hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Es gibt heute mehr liberale und linksgerichtete Kommissare. Viele von ihnen hatten vorher hochrangige Parteiämter inne. Die Zahl der unabhängigen Kommissare ist dagegen zurückgegangen. Die PEU Datenbank ermöglicht einen Einblick in den Zusammenhang zwischen persönlichem Hintergrund (Parteizugehörigkeit, Beruf und Nationalität) des EU-Führungspersonals, inhaltlichen Zuständigkeiten und den politischen Entscheidungen der einzelnen Verwaltungen. Sie umfasst Informationen zu den Kommissaren, Generaldirektoren und der Verwaltungsstruktur der Kommission von 1958 bis 2018 und wird kontinuierlich aktualisiert.

 Die Daten zur Parteizugehörigkeit zeigen: Die Zahl liberaler und linksgerichteter Kommissare hat seit Ende der 1950er Jahre zugenommen. Und sie spielt eine größere Rolle als früher, wobei die kleineren Parteien gegenüber den Volksparteien an Bedeutung gewonnen haben. Dadurch werden parteipolitische Positionen relevanter. Während es früher mehr unabhängige Kommissare gab, haben heute immer mehr Kommissare zuvor in parteipolitischen Ämtern Karriere gemacht. Darunter sind nicht mehr nur Minister; viele Kommissare waren vorher Regierungschefs. Abgenommen hat der Anteil der Diplomaten, die früher ein Drittel der Kommissare stellten, aber auch der Wissenschaftler und gesellschaftspolitischen Aktivisten. Neben den Veränderungen bei der Rekrutierung von Kommissionsmitgliedern unterstreicht ebenso die mehrfach umgestaltete Verwaltungsstruktur den Wandel der Kommission. Mit Kompetenzübertragungen nach Brüssel und Erweiterungsrunden sind immer mehr Verwaltungseinheiten hinzugekommen. Die Grenzen zwischen Politikfeldern sind dabei neu gezogen worden. Die Datenbank hilft politische Prozesse besser zu verstehen, indem sie die fast 450 Top-Beamten und ihr institutionelles Umfeld intensiv beleuchtet, die für einen Großteil des politischen Entscheidungsprozesses verantwortlich sind.

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