Interessenvermittlung im europäischen Mehrebenensystem

(15171)

TypProseminar
Dozent/inJulia Metz
RaumGarystr. 55 Raum 301
Zeit

Montag, 8.00-10.00 Uhr

Interessenvermittlung ist ein elementarer Bestandteil einer lebendigen Demokratie, da sie für die Aggregation, Artikulation und Durchsetzung gesellschaftlicher Interessen im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess sorgt. Zugleich kommt die Politik in Verruf, wenn sie einseitig auf Interessen hört oder ressourcenstarken Interessen mehr Gewicht bei der Politikformulierung verleiht. So sieht sich die Politik derzeit mit dem Vorwurf konfrontiert, bei der Regulierung der Finanz- und Wirtschaftskrise zu sehr von der Bankenlobby eingenommen zu sein. Wir beobachten auch, dass mit zunehmender Verlagerung von Gesetzgebungskompetenzen an die EU Brüssel für Interessenvertreter ein immer wichtigerer Schauplatz wird. Diese Verlagerung von Interessenvermittlung auf die europäische Ebene hat wiederum Auswirkungen auf nationale Systeme der Interessenvermittlung. Ziel der Veranstaltung ist es, ein theoretisch und empirisch differenziertes Bild der Rolle externer Interessen im politischen Prozess des komplexen EU-Mehrebenensystems zu vermitteln. Es soll ein theoretisch-fundiertes Verständnis für die Interaktion zwischen politischen Mandatsträgern und externen Interessen erarbeitet werden. Das Seminar gliedert sich in drei wesentliche Blöcke. Zunächst werden grundlegende theoretische Konzepte zur Untersuchung des Forschungsgegenstandes vorgestellt. Im zweiten Block werden institutionelle Strukturen und Akteure, sowie deren Interaktion in ausgewählten Politikfeldern des Europäischen Mehrebenensystems analysiert. Der dritte Block widmet sich der Interaktion zwischen europäischer und nationaler Ebene, sowie Fragen des Verhältnisses zwischen Interessenvermittlung und demokratischen Prinzipien. Voraussetzung für eine Teilnahme sind grundlegende Kenntnisse der europäischen Institutionen und des politischen Politikprozesses sowie gute Englischkenntnisse, da ein Großteil der Lektüre auf Englisch ist.

Anforderungen sind eine regelmäßige und aktive Teilnahme, die Übernahme eines Referates, sowie die Anfertigung einer Rezension.

Basisliteratur:

Beyers, Jan/Eising, Rainer/Maloney, William (2008): Researching Interest Group Politics in Europe and Elsewhere: Much We Study, Little We Know?, in: West European Politics 31, 1103 - 1128.

Coen, David and Richardson, Jeremy (2009): Lobbying the European Union: Institutions, Actors and Issues, Oxford: Oxford University Press.

Eising, Rainer/Kohler-Koch, Beate (Hrsg.) (2005): Interessenpolitik in Europa, Baden-Baden: Nomos.

Greenwood, Justin (2007): Interest Representation in the European Union, 2nd Edition, Basingstoke: Palgrave Macmillan.

Mazey, Sonia/Richardson, Jeremy (2006): Interest Groups and EU Policy-Making: Organisational Logic and Venue Shopping, in: Richardson, Jeremy (Hrsg.): European Union: Power and Policy-Making, 3rd Edition, Abingdon: Routledge, 247-268.