Dr. Matthias Schneider

Soziologie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
14195 Berlin
Dr. Matthias Schneider (er/ihn) ist Soziologe mit Forschungsschwerpunkten in den Gender Studies, der Kritischen Männlichkeitsforschung und den Diversity Studies. Seine Arbeit beschäftigt sich insbesondere mit Internationalisierung, tertiärer Bildung, Flucht, Organisation und Recht.
Er studierte Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und absolvierte Auslandssemester an der University of Copenhagen. Seine Promotion an der Goethe-Universität Frankfurt am Main widmete sich den Geschlechterkonstruktionen in den Biografien geflüchteter Männer aus Eritrea. Betreut von Prof. Dr. Helma Lutz und Prof. Dr. Susanne Spindler, wurde seine Dissertation durch ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Während dieser Zeit war er zudem Lehrbeauftragter an der Hochschule Düsseldorf.
Als Postdoktorand forschte er an der Universität Potsdam im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ am Lehrstuhl für Organisationssoziologie von Prof. Dr. Maja Apelt zu Geschlechtergerechtigkeit in Verbraucher:innenorganisationen. Derzeit ist er an der Einstein-Profil-Professur „Soziologie mit dem Schwerpunkt Gender Studies“ von Prof. Dr. Kathrin Zippel tätig und untersucht Fragen der Internationalisierung, Rückkehrmigration und Diversität.
Derzeit arbeite ich an mehreren Forschungsprojekten zu Gender, Diversität und Organisationen.
Diversity Scripts in Higher Education
Diversity Scripts untersucht, wie Universitäten Diversität institutionalisieren, wie sich Kategorien von Differenz stabilisieren oder erodieren und wie diese Prozesse durch interne und externe Dynamiken geprägt sind. Obwohl Diversität zu einem globalen Bezugspunkt in der Hochschulbildung geworden ist, bleibt ihre Institutionalisierung häufig fragil, symbolisch und je nach Kategorie und nationalem Kontext ungleich verteilt.
Analysiert werden die Bedingungen, unter denen Kategorien wie Geschlecht, Race, Be*hinderung oder Religion organisatorisch verankert, transformiert oder delegitimiert werden. Das Projekt verbindet Institutionalisierungsforschung und institutional work mit Forschung zu diversity work sowie organisationssoziologischen Perspektiven auf Universitäten als lose gekoppelte Expert:innenorganisationen. Im Zentrum stehen die Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung von Diversitätskategorien sowie Konflikte um Meritokratie und feministische Berufungspraktiken im Kontext neoliberaler Leistungsregime.
Professors in Motion: Akademische Mobilität, Rückkehrmigration und die Bedeutung von Gender und Diversität im transatlantischen Karriereverlauf
Das Projekt untersucht die transatlantische Mobilität von Professor:innen zwischen Deutschland und den USA und fragt, wie akademische Karrieren durch Gender, Diversität und institutionelle Rahmenbedingungen strukturiert werden. Aufbauend auf über 100 Interviews aus dem Jahr 2008 wird eine zweite Interviewwelle durchgeführt, um zu rekonstruieren, wie sich Erfahrungen, Strategien und strukturelle Bedingungen internationaler Mobilität über die Zeit verändert haben.
Zentrale Themen sind Meritokratievorstellungen, Unterstützungsstrukturen, nationale Rechtskontexte und organisationale Selektionslogiken sowie geopolitische Verschiebungen, die Mobilitätsregime neu rahmen. Mobilität wird dabei als relationale Praxis in einem transnationalen Feld verstanden, in dem Anerkennung, Risiko und Ausschluss ungleich verteilt sind.
Diskriminierung, Emotionen und Verbraucher:innenverhalten (DEVGAV)
DEVGAV untersucht, wie Diskriminierung in alltäglichen Marktsituationen erlebt wird, welche Emotionen damit verbunden sind und wie diese Erfahrungen das Verhalten von Verbraucher:innen prägen. Märkte werden als sozial strukturierte Felder verstanden, in denen Ungleichheiten entlang von Kategorien wie Geschlecht, Ethnizität, sozialer Herkunft oder Be*hinderung wirksam werden und sich in alltäglichen Entscheidungen, Vermeidungsstrategien oder Formen von Widerstand niederschlagen.
Das Projekt verbindet Grundlagenforschung mit Expert:inneninterviews in Verbraucher:innenorganisationen und der partizipativen Entwicklung praxisnaher Instrumente. Die Ergebnisse werden mit Akteur:innen aus Verbraucher:innenschutz und Antidiskriminierungsarbeit diskutiert, um ihre Integration in organisationale Routinen zu unterstützen. Die Dissemination umfasst unter anderem eine wissenschaftliche Tagung und Open-Access-Publikationen.
Normierte Vielfalt: Wie technische Standards Diversität und Differenz (re-)produzieren
Das Projekt analysiert technische Normen als machtvolle Infrastrukturen, die gesellschaftliche Normalitätsannahmen stabilisieren, indem sie Körper, Subjekte und Praktiken klassifizieren. Untersucht wird, wie Differenzlinien wie Geschlecht, Sexualität, Alter, Be*hinderung, Race und Nationalität in Normtexten explizit benannt, implizit vorausgesetzt oder systematisch unsichtbar gemacht werden und welche Subjektpositionen und Körpernormen damit hervorgebracht werden.
Theoretisch verbindet das Projekt feministische Technikforschung und Critical STS mit organisationssoziologischen Perspektiven auf Standards als partielle Organisationen, ergänzt durch eine intersektionale Perspektive. Methodisch kombiniert es eine Kartierung des Normenbestands mit einer vertieften qualitativen Analyse eines theoriegeleitet gesampelten Korpus mit MAXQDA. Die Ergebnisse fließen in wissenschaftliche Publikationen, eine Fachtagung sowie eine Handreichung für eine gender- und diversitätssensible Normenlehre ein und bilden die Grundlage für weiterführende Forschung zu Normungsprozessen und großskaligen Analysen von Normenkorpora.
Herausgeber:innenschaften
Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (Hrsg.). (2025). Recht umkämpft. Feministische Perspektiven auf ein neues Gemeinsames. Budrich. https://doi.org/10.3224/84743101
Scheibelhofer, P. & Schneider, M. (2021). Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung. Special Issue Männlichkeit und Flucht, 5(1). https://doi.org/10.5771/2509-9485-2021-1
Monographien
Schneider, M. (2023). Männlichkeit und Flucht: Biographische Perspektiven auf die Lebensgeschichten aus Eritrea geflüchteter Männer. Gesellschaft und Geschlecht: Bd. 79. Springer VS. https://doi.org/10.1007/978-3-658-41767-3
Zeitschriftenartikel mit Peer-Review
Schneider, M. (2025). Zwischen Kochtopf und Gleichstellung: Geschlechterwissen in Verbraucher:innenorganisationen. Open Gender Journal, 9. https://doi.org/10.17169/ogj.2025.346
Schneider, M. (2025). Die übersehene Verletzbarkeit? Erfahrungen geflüchteter Männer zwischen Leid, Solidarität und Gewalt. Zeitschrift für Soziologie. https://doi.org/10.1515/zfsoz-2025-2003
Schneider, M. (2021). Marginalisiert Flucht Männlichkeit? Lebensgeschichtliche (Re-)Konstruktionen von Männlichkeit im Kontext der Flucht aus Eritrea. Zeitschrift für Flüchtlingsforschung, 5(1), 77–108. https://doi.org/10.5771/2509-9485-2021-1-77
Buchkapitel mit Peer Review
Hark, S., Schneider, M. & Wielowiejski, P. (2025). Wie für ein neues Gemeinsames gekämpft wird: Einleitendes zu den Fallstudien. In Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (Hrsg.), Recht umkämpft. Feministische Perspektiven auf ein neues Gemeinsames (S. 15–17). Budrich.https://doi.org/10.3224/84743101.02
Schneider, M. & Löckmann, T. (2025). Kämpfen Menstruierende und Verbraucher*innen gemeinsam? Eine Analyse des umkämpften Allgemeinen und neuen Gemeinsamen von Menstruationsbewegung und Verbraucherzentralen. In Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (Hrsg.), Recht umkämpft. Feministische Perspektiven auf ein neues Gemeinsames (S. 113–134). Budrich. https://doi.org/10.3224/84743101.07
Schneider, M. (2025). Vom Scheitern an Rechtstexten und Weiterdenken in sozialen Prozessen: Eine qualitativ-soziologische Adaption des ReWritings am Beispiel des diversitätssensiblen Verbraucher*innenschutzes. In Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (Hrsg.), Recht umkämpft. Feministische Perspektiven auf ein neues Gemeinsames. (S. 265–280). Budrich. https://doi.org/10.3224/84743101.16
Scheibelhofer, P. & Schneider, M. (2021). Männlichkeit und Flucht zusammendenken: Eine Einleitung. Zeitschrift für Flucht- und Flüchtlingsforschung, 5(1), 3–12. https://doi.org/10.5771/2509-9485-2021-1-3
Schneider, M. & Stuber, L. (2019). Was machen Asylgesetze mit Männlichkeit? Hegemoniale Männlichkeitskonstruktionen im Spannungsverhältnis. In S. Berghahn & U. Schultz (Hrsg.), Rechtshandbuch für Frauen und Gleichstellungsbeauftragte (Loseblatt, Stand Februar 2019). Dashöfer.
Berichte, Beiträge, Blogs
Schneider, M. (2025). Polykrise, Verbrauch und Geschlecht: Über die Notwendigkeit einer geschlechter- und diversitätssensiblen Verbraucher*innenpolitik und Verbraucher*innenforschung. In C. Bala, A. Boden, W. Schuldzinski & G. Stevens (Hrsg.), Jahrbuch Konsum & Verbraucherwissenschaften: 2024/2025. Herausforderungen für die Verbraucherpolitik: Digitaler Alltag und Polykrise (Kap. 10).
Schneider, M. & Rosenbaum, F. (2025). Diskriminierung von Konsument:innen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme. Working Paper 1. Freie Universität Berlin. SocArXiv. https://doi.org/10.31235/osf.io/hpt24_v1
Schneider, M. (2025). Gewaltwiderfahrnisse geflüchteter Jungen und Männer. Vom Herkunftskontext bis zur Ankunft in Deutschland. In: Gewalterfahrungen von Jungen und Männern und die Folgen für ihre Gesundheit, hrsg. von Martin Dinges und Anna M. Möller-Leimkühler, S. 219–228. Psychosozial-Verlag. https://doi.org/10.30820/9783837963724-219
Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (2025). Kollektiv forschen revisited. Transdisziplinäres Arbeiten zu Recht – Geschlecht – Kollektivität. Ein Rundgespräch. In Forschungsgruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität“ (Hrsg.), Recht umkämpft. Feministische Perspektiven auf ein neues Gemeinsames (S. 308–332). Budrich. https://doi.org/10.3224/84743101.19
Schneider, M. (2023). Eine neue Perspektive auf Flucht und Männlichkeit. Blog Interdisziplinäre Geschlechterforschung. https://www.gender-blog.de/beitrag/flucht-maennlichkeit, https://doi.org/10.17185-/gender/20231010
Schneider, M. & Löckmann, T. (2022). Geschlechtergerechtigkeit im Verbraucher*innenschutz? Genderblog der Humboldt-Universität zu Berlin. https://genderblog.hu-berlin.de/geschlechtergerechtigkeit-im-verbraucher_innenschutz/
Stöver, H., Mittel, K., Schneider, M., Grundmann, J., Kuhn, S. & Zurhold, H. (2018). Geflüchtete Menschen und Drogen-/Abhängigkeitsproblematik: Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Institut für Suchtforschung. Verfügbar unter Researchgate


