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Allgemeines zur Arbeitsstelle Anthropologie der Emotionen

Bali  2010 Gottheit-kleiner

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Die Erforschung menschlicher Emotionalität und Affektivität ist in den letzten Jahren verstärkt in den Interessenfokus einer Vielzahl verschiedener natur-, geistes-, und sozialwissenschaftlicher Fächer gerückt und etabliert sich zunehmend als bedeutendes sozial- und kulturanthropologisches Forschungsfeld. Dies spiegelt sich unter anderem in der Arbeit des Sonderforschungsbereichs „Affective Societies: Dynamiken des Zusammenlebens in bewegten Welten“ (Sprecherin Prof. Dr. Birgitt Röttger-Rössler) und den interdisziplinären Forschungsprojekten „The Researcher’s Affects“ und „Knowledge Complexity (K-PLEX)“ (beide geleitet von Prof. Dr. Thomas Stodulka) an der Freien Universität Berlin wieder.

Die Aufgabe der Sozial- und Kulturanthropologie innerhalb der fächerübergreifenden Emotions- und Affektforschung liegt primär in der Untersuchung der kulturspezifischen Besonderheiten emotionalen Verhaltens und der Rolle von Affekten und Emotionen in der wissenschaftlichen und transkulturellen Wissenskonstruktion. Im Mittelpunkt steht die anthropologische Grundfrage, ob und inwieweit Emotionen (oder auch Affekte) durch kulturelle und soziale Faktoren als Erfahrungsdimensionen, Formen der sozialen In- oder Exklusion, oder als Praktiken der Kommunikation modelliert und zur Erklärung menschlicher Erfahrung und interpersönlichen Verhaltens herangezogen werden können. Das Fachinteresse konzentriert sich in erster Linie auf die Mehrdimensionalität kultureller Gefühlssemantiken und -regeln, die sowohl auf der sprachlichen, erfahrungsbasierten und performativen als auch auf der medialen Ebene analysiert werden, wobei trans-, inter- sowie intrakulturellen Vergleichen eine wichtige Rolle zukommt.

Ein besonderer Akzent – vor allem der psychologischen Anthropologie – liegt auf dem Zusammenhang zwischen Kultur, Emotion, Psyche, und (inter)subjektiver Erfahrung. Wie werden in unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kontexten psychische Gesundheit und Krankheit konstruiert und mit welchen Modellen emotionaler Kompetenz/Inkompetenz werden diese korreliert? Ein weiterer Schwerpunkt fokussiert – aus einer stärker sozialtheoretischen Perspektive – die affektiven Dynamiken in sozialen und politischen Bewegungen. Mit diesem Ansatz soll Einblick in die Rolle von Emotionen in sozialen Desintegrations- und Kohäsionsprozessen gewonnen werden. Im Zusammenhang mit der Arbeit des Sonderforschungsbereiches „Affective Societies“ ist in jüngster Zeit auch das Verhältnis zwischen Emotionen (semantisierte, kodifizierte Gefühle) und Affekten (nicht-semantisierte, vor-bewusste Gefühle) zu einem expliziten Forschungsgegenstand innerhalb der Arbeitsstelle geworden. Diese Fragestellungen werden durch die Projekte „The Researcher’s Affects“ und „Knowledge Complexity (K-PLEX)“ im Hinblick auf die affektiven Dimensionen sozial- und kulturwissenschaftlicher Feldforschungen, und die Schwierigkeit menschliche Emotionalität im Rahmen von Datenmanagement zu kodifizieren, erweitert.

Die Forschungsaktivitäten der Arbeitsstelle konzentrieren sich gegenwärtig auf sechs Bereiche:

  • Emotion und Sozialisation
  • Emotion und Migration
  • Emotion und Affekt
  • Emotion im Kontext sozialer und ethnischer Marginalitäten
  • Emotion und Affekt als wissenschaftliche Erkenntnistheorie
  • Emotion und Affekt im Kontext von Big Data-Diskursen

Die aus den Aktivitäten der Arbeitsstelle hervorgegangene Buchreihe EmotionsKulturen / EmotionCultures (transcript) versammelt Monographien und Sammelbände, die auf neuester sozial- und kulturanthropologischer und transdisziplinärer Emotionsforschung basieren. Die Buchreihe wird herausgegeben von Prof. Dr. Birgitt Röttger-Rössler und Dr. Anita von Poser.

SFB 1171 Affective Societies
BGSMCS
Berlin Southern Theory Lecture