Podiumsdiskussion "Gaza und die deutschen Medien: Ein- und Aussichten" vom 04.12.25
News vom 09.12.2025
Die deutsche Medienberichterstattung zum Gaza-Krieg steht massiv in der Kritik. Zum einen wird eine ideologische Positionierung und einseitige Parteinahme festgestellt: Je nach Perspektive reichen die Vorwürfe dabei von der unkritischen Wiedergabe der deutschen und israelischen Regierungslinien im Sinne der „Staatsräson“ bis zu Anschuldigungen eines latenten Antisemitismus. Zum anderen wird die Professionalität und Qualität der Berichterstattung in Frage gestellt: Werden die Konfliktopfer auf beiden Seiten angemessen repräsentiert? Welche Stimmen kommen zu Wort und wem wird ein Podium geboten? Wird auch mit Betroffenen von Gewalt gesprochen oder nur über diese? Wie werden Quellen mit Bezug zu einzelnen Konfliktparteien eingeordnet und kritisch hinterfragt?
Meinungsumfragen zeigen, dass die Mehrheit des Publikums die deutsche Berichterstattung rund um Gaza als einseitig pro-israelisch wahrnimmt – sowohl was die israelische Kriegsführung in Gaza angeht, also auch zu Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen in Deutschland. Angesichts der Bilder in sozialen Medien und der Berichterstattung in anderen Ländern schenkt eine Mehrheit den deutschen Medien bei der Nahostberichterstattung wenig Glauben und attestiert ihr mangelnde Differenziertheit.
Die Podiumsdiskussion mit Nadia Zaboura (Kommunikationswissenschaftlerin, Medienkritikerin und Publizistin), Alena Jabarine (Journalistin und Autorin) und Jouanna Hassoun (Bildungsreferentin und Geschäftsführerin von Transaidency e.V.) widmete sich am Donnerstag, dem 04.12.2025 unter dem Stichwort „Einsichten“ den Ursachen dieses Vertrauensverlustes. Sie beleuchtete dabei Prozesse in Redaktionen, Strukturen von Medienhäusern und Aufmerksamkeitsökonomien, Medien-Politik-Beziehungen und nahm auch Versuche strategischer Einflussnahmen durch die Konfliktakteure in den Blick. Neben dieser Problemanalyse diskutierten die Panelistinnen unter dem Stichwort „Aussichten“ aber auch Perspektiven für eine differenzierte Berichterstattung sowie die mögliche Rolle von Journalist*innen, Kulturschaffenden, Politik und Zivilgesellschaft. Die Moderation hat Prof. Carola Richter (Freie Universität Berlin) übernommen. Das Event wurde von Prof. Dr. Carola Richter (CeMIL, Freie Universität Berlin) und Dr. Jannis Julien Grimm (INTERACT, Freie Universität Berlin) organisiert.




