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Call for Papers für die Femina Politica: Corona-Krise der Gesundheitssysteme

News vom 15.03.2022

Friederike Beier und Prof. Gülay Çağlar sind zusammen mit Prof. Patricia Graf Gastherausgeberinnen der Ausgabe 01/2023 der Femina Politica. Zeitschrift für Feministische Politikwissenschaft zum Thema Corona-Krise der Gesundheitssysteme. Feministische, intersektionale und dekoloniale Perspektiven (Arbeitstitel).

Um die Einsendung vonAbstracts bis zum 31. Mai 2022 wird gebeten.


Hier finden Sie den vollständigen Call auf deutsch und englisch zum Download.

CfP: Corona-Krise der Gesundheitssysteme. Feministische, intersektionale und dekoloniale Perspektiven (Arbeitstitel

Im Zuge der COVID-19-Pandemie sind nicht nur die Überlastung und die Fragilität von Gesundheitssystemen weltweit zutage getreten, sondern auch die vielschichtigen Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung. Defizite in der medizinischen Infrastruktur, fehlende Bettenkapazitäten sowie der Personalnotstand in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sind Auswirkungen jahrelanger Privatisierungs- und Sparmaßnahmen. Mit der Ausbreitung der Pandemie haben diese Defizite ein dramatisches Ausmaß angenommen und bestehende Ungleichheitsverhältnisse weiter verschärft. In diesem Heft wollen wir uns mit den Auswirkungen von COVID-19 auf globale Gesundheitssysteme und Gesundheitskrisen und den daraus entstandenen Neukonfigurationen und Verschärfungen sozialer und ökonomischer Ungleichheitsverhältnisse aus feministischen, intersektionalen und dekolonialen Perspektiven befassen.

Die Ungleichheitsverhältnisse materialisieren sich auf mindestens drei Ebenen: Die Pandemie hat erstens gezeigt, dass gesundheitliche Risiken und Ungleichheit eng verknüpft sind mit gesellschaftlichen, sich überkreuzenden Ungleichheitsverhältnissen. Höhere Gesundheitsrisiken und schwerere Krankheitsverläufe sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden stehen häufig im Zusammenhang mit einem schlechten Zugang zu oder dem Fehlen von einer öffentlich finanzierten und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig wird durch die Corona-Krise der Zugang zu gesundheitlicher Grundversorgung erschwert. Im Globalen Norden sind von den Folgen beispielsweise Menschen of Colour, Geflüchtete, trans- und intergeschlechtliche Menschen besonders betroffen.

Zweitens hat die Pandemie die gesundheitlichen, sozio-ökonomischen und psychischen Belastungen von Frauen* in system- bzw. gesellschaftsrelevanten Berufen sowie formellen und informellen Sorgeverhältnissen massiv erhöht. Von den prekären Beschäftigungsverhältnissen im Gesundheitssektor sind weltweit vor allem mehrfach benachteiligte Frauen* betroffen. Im Globalen Norden sind es zudem größtenteils Frauen* of Colour und Menschen mit Migrationsgeschichte, die unter schwierigen Beschäftigungsverhältnissen den Pflegenotstand abmildern sollen.

Die Corona-Krise hat diese Missstände deutlich zutage gebracht. Im Globalen Norden hat sie etwa öffentliche Solidaritätsbekundungen und die Herausstellung der „heldenhaften“ Leistungen von Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen hervorgerufen.
Die bekundete Anerkennung reproduktiver Tätigkeiten während der Pandemie ist mit feministischen Hoffnungen auf eine Aufwertung von Gesundheits- und Pflegeberufen und auf neue Gesundheitspolitiken einhergegangen. Materialisiert in strukturellen Änderungen haben sich diese jedoch bislang nicht.

Drittens verdeutlichen Debatten über die internationale Verteilung von Impfstoffen, Patente sowie Behandlungsstrategien neokoloniale Macht- und Herrschaftsverhältnisse. Diese Machtverhältnisse drücken sich auch in der epistemischen Überheblichkeit der Länder des Globalen Norden aus – so werden nicht nur verschiedene Wissensformen, sondern auch medizinische Praktiken und Krisenbewältigungsstrategien aus dem Globalen Süden marginalisiert. Grundsätzlich stellt sich die Frage, in welcher Weise rassistische und androzentrische Annahmen im medizinischen Wissen die Ausgestaltung gesundheitspolitischer Maßnahmen in der Pandemie geprägt haben.

Vor diesem Hintergrund laden wir insbesondere Beiträge zu folgenden Fragekomple-xen ein:

  • Wie wirkt sich die Pandemie und ihre Regulierung auf intersektionale Ungleichheits-verhältnisse im Gesundheits- und Care-Sektor aus? Welche Folgen hat die Pandemie für informelle Sorgeverhältnisse und Global Care Chains? Was sind die Folgen einer globalen Gesundheitskrise, die vorrangig auf der Ebene von Nationalstaaten reguliert wird?
  • Wie spiegelt sich die Geschlechterpolitik internationaler Organisationen (z.B. WHO oder Weltbank) in der Pandemiebekämpfung wider? Welchen Einfluss hat etwa die Politik der EU auf intersektional-feministische Ungleichheitsverhältnisse in den Gesundheitssystemen?
  • Was bedeutet die Pandemie für Arbeitskämpfe und Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegesektor in unterschiedlichen Ländern weltweit? Welche feministischen Perspektiven ergeben sich aus den Folgen der Pandemie auf Care und Gesundheitswesen? Welche Erkenntnisse ergeben sich für eine intersektionale und dekolonial-feministische Theoriebildung?
  • Welche Politiken haben Länder im Globalen Süden in ihrem Umgang mit der Pandemie verfolgt? Welche Folgen haben eurozentristische Wissensregime und die Steuerung der Pandemie auf globale Gesundheit und Vulnerabilitäten? Was lernen wir aus dekolonialen feministischen Perspektiven auf die Epistemologie von Pandemien?

Abstracts und Kontakt

Der Schwerpunkt wird inhaltlich von Friederike Beier, Gülay Çağlar und Patricia Graf betreut. Wir bitten um ein- bis zweiseitige Abstracts bis zum 31. Mai 2022 an friederike.beier@fu-berlin.de, Guelay.Caglar@fu-berlin.de und
patricia.graf@businessschool-berlin.de.

Die Femina Politica versteht sich als feministische Fachzeitschrift und fördert wissenschaftliche Arbeiten von Frauen in und außerhalb der Hochschule. Deshalb werden inhaltlich qualifizierte Abstracts von Frauen bevorzugt.

 

Abgabetermin der Beiträge

Die Schwerpunktverantwortlichen laden auf der Basis der eingereichten Abstracts bis zum 15. Juni 2022 zur Einreichung von Beiträgen ein. Der Abgabetermin für die fer-tigen, anonymisierten Beiträge im Umfang von 35.000 bis max. 40.000 Zeichen (inklusive Leerzeichen, Fußnoten und Literatur) ist der 15. September 2022. Die Angaben zu den Autor*innen dürfen ausschließlich auf dem Titelblatt erfolgen. Alle Manu-skripte unterliegen einem Double Blind Peer-Review-Verfahren. Pro Beitrag gibt es ein externes Gutachten (Double Blind) und ein internes Gutachten durch ein Redak-tionsmitglied aus dem Herausgeberinnenteam. Ggf. kann ein drittes Gutachten eingeholt werden. Die Rückmeldung der Gutachten erfolgt bis spätestens 15. November 2022. Die endgültige Entscheidung über die Veröffentlichung des Beitrags wird durch die Redaktion auf Basis der Gutachten getroffen. Der Abgabetermin für die Endfassung des Beitrags ist der 15. Januar 2023.

Femina Politica

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The Corona Crisis of Health Systems. Feminist, intersectional and decolonial perspectives (working title)

In the wake of the COVID-19 pandemic, not only has the overload and fragility of health systems worldwide come to light but also the multi-layered inequalities within health care. Deficits in medical infrastructure, lack of bed capacities and staff shortages in hospitals and care facilities are effects of years of privatisation and austerity measures. With the spread of the pandemic, these deficits have taken on dramatic proportions and further exacerbated existing inequalities. In this issue, we want to take a closer look at the impact of COVID-19 on global health systems and health crises as well as the resulting reconfigurations and intensifications of social and economic relations of inequality from feminist, intersectional and decolonial perspectives.

Relations of Inequality materialise on at least three levels: First, the pandemic has shown that health risks and health inequality are interwoven with intersectional in-equalities within societies. Higher health risks and more severe disease trajectories in both the Global North and the Global South are often linked to a lack of accessibility to high quality and publicly-funded health care or at times to the complete absence thereof. At the same time, the Corona crisis is making access to basic health care more difficult. In the Global North, for instance, people of colour, refugees, trans* and intersex people are particularly affected by the consequences.

Secondly, the pandemic has massively increased the health, socio-economic and psychological burdens on women* in systemic or socially relevant occupations as well as formal and informal care relationships. The precarious employment relationships in the health sector worldwide primarily affect multiply disadvantaged women*. In the Global North, it is mostly women* of colour and people with a history of migration that are expected to alleviate the nursing crisis under difficult employment conditions.

The Corona crisis has brought these grievances to light. In the Global North, for example, it has generated public expressions of solidarity, highlighting the "heroic" achievements of doctors and nurses. The expressed recognition of reproductive labour during the pandemic has been accompanied by feminist hopes for an improvement in the status of health and care professions as well as new health policies. However, these have not yet materialised in structural changes.

Thirdly, debates on the international distribution of vaccines, patents and treatment strategies highlight neo-colonial power relations. These power relations are also expressed in the epistemic arrogance of the countries of the Global North – marginalising not only different forms of knowledge but also medical practices and crisis management strategies from the Global South. In essence, the question arises in which way racist and androcentric assumptions in medical knowledge have shaped the design of health policy measures in the pandemic.

Against this background, we particularly invite contributions on the following sets of questions:

  • How do the pandemic and its regulation affect intersectional relations of inequality in the health and care sector? What are the consequences of the pandemic for informal care relations and global care chains? What are the consequences of a global health crisis that is primarily regulated at the level of nation-states?
  • How is the gender policy of international organisations (e.g. WHO or World Bank) reflected in the pandemic? What influence does EU policy, for example, have on intersectional-feminist inequality relations in health systems?
  • What does the pandemic mean for labour struggles and working conditions in the health and care sector in different countries worldwide? What feminist perspectives emerge from the consequences of the pandemic for care and health care? What are the insights for intersectional and decolonial feminist theorising?
  • What policies have countries in the Global South pursued in their handling of the pandemic? What are the consequences of Eurocentric knowledge regimes and the governance of the pandemic on global health and vulnerabilities? What do we learn from decolonial feminist perspectives on the epistemology of pandemics?

 

Abstracts and Contact

Friederike Beier, Gülay Çağlar and Patricia Graf are the supporting editors for this issue. Abstracts of one or two pages should be sent to friederike.beier@fu-berlin.de, Guelay.Caglar@fu-berlin.de and patricia.graf@businessschool-berlin.de or to redaktion@femina-politica.de by May 31rd 2022. As a feminist journal promoting women inside and outside academia Femina Politica will prioritize qualified abstracts by women.

Submission Deadline for Contributions

The editors will select contributions from the abstracts and invite authors to submit full papers until 15 June 2022. The deadline for manuscripts between 35,000 and 40,000 characters (including spaces, notes, and bibliography), prepared for anonymous double blind review, is 15 September 2022. Information concerning the author should only be given on the title page. All manuscripts are reviewed by external reviewers (double blind) and editors. The reviews will be returned by 15 November 2022. The final selection will be based on the full-length paper. The deadline for the final version is 15 January 2023.

 

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