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Sex/Arbeit, Körper und Migration in Berlin. Grauzonen der Freizügigkeit. Migration, kommerzialisierte Sexualität und (ost-)europäische Körper in Berlin

Die Berliner Kurfürstenstraße

Die Berliner Kurfürstenstraße
Bildquelle: Ursula Probst

Ursula Probst

Grauzonen der Freizügigkeit. Migration, kommerzialisierte Sexualität und (ost-)europäische Körper in Berlin

Sexarbeit bzw. Prostitution erweist sich immer wieder als gesellschaftlicher Streitpunkt und als Projektionsfläche für gesellschaftliche Verhandlungen von Sexualitäten und Moral. Gerade in den letzten Jahren wird in Deutschland wieder verstärkt über das Thema diskutiert, wobei in den Fragen zum Zusammenhang von Sexarbeit und Menschenhandel und den dabei häufig erwähnten „osteuropäischen Prostituierten“ auch Debatten um Migration und europäische Zugehörigkeiten ihren Ausdruck finden.

An dieser Schnittstelle von Diskursen zu innereuropäischer Migration, (Arbeits-)Rechten und Ausbeutung sowie Sexualitäten setzt das vorliegende Projekt an, bei dem anhand einer 14-monatigen ethnographischen Forschung Einblicke in die Lebens- und Arbeitsrealitäten von Menschen aus osteuropäischen Ländern gewonnen wurden, die in Berlin in der Sexarbeit tätig sind. In dieser Auseinandersetzung zeigten sich deutliche Widersprüche zwischen einer Idee von Europa bzw. spezifisch der Europäischen Union, die allen ihren Bürger*innen die gleichen Rechte gewährt, und im urbanen Alltag rassifizierten und sexualisierten Verständnissen von Europa. Diese grenzen sich nicht nur gegen außereuropäische Andere ab, sondern produzieren auch innereuropäische Hierarchien des „Europäisch Seins“, die bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer regionalen und/oder sozialen Herkunft oder (angenommenen) ethnischen Zugehörigkeiten marginalisieren.

Anschließend an theoretische Debatten zu verkörperlichten Zugehörigkeiten und der Auseinandersetzung mit der „Verkörperung“ Europas beschäftigt sich das Projekt wesentlich mit der Frage, welche Bedeutung Körperlichkeiten und körperlichen Praktiken in der Aushandlung (ost-)europäischer Zugehörigkeiten in Berlin zukommt. Gerade in den Erfahrungen von Menschen aus Osteuropa, die in der deutschen Hauptstadt der Sexarbeit nachgehen, werden die rassifizierten und sexualisierten Dimensionen der Verhandlungen „(ost-)europäischer Körper“ deutlich, die Ideen einer gemeinsamen europäischen Identität, sogenannter „Europäisierungsprozesse“ sowie gleichberechtigter Freizügigkeit in Frage stellen.

 Von 2017-2020 gefördert mit dem Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin

 Erstbetreuung: Prof. Dr. Hansjörg Dilger
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Thomas Stodulka

 

SFB 1171 Affective Societies
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